Mein E-Bike ist ein S-Pedelec


Tja, ist das jetzt etwas? 

Ein Bolide. Vertrauenerweckender dicker, toll designter Rahmen aus Carbon. Die 3.0 Reifen wirken in diesem Umfeld fett wie Walzen. Der Motor ist eine grazile runde Sache, er verschwindet unter einer wuchtigen Batterie mit 885 Wh. Bei Unterstützungstufe 1 = 45% der selbst auf die Pedale gebrachten Kraft erlischt die Batterie erst nach 2.500 Höhenmetern. 

In der kleinen Variante leistet der Motor 250 Watt, in der großen 500 Watt. Bei beiden Varianten schiebt der Motor mit 120 Nm. 


Ist das eigentlich ein Mountainbike? 

Nach einem Tag mit einem von 120 Nm und 500 Watt befeuerten Carbonboliden spreche ich lieber von einem Bergmotorrad mit Elektroantrieb. Enge S2-Trails, die wir sonst mit super gefederten Edelbikes leichtfüßig bergab schreddern, preschen wir heute locker bergauf. Ein S-Pedelec fährt bis zu 45km/h schnell, hat ungeahnte Kräfte und verlangt nur ein bisschen Druck auf die Pedale. Wird es zu steil und das Pedalieren mühseliger, tippt man auf Stufe 2 oder gar 3, und das Pedelec fliegt davon. Die Stufen 4 oder 5 sind für den Normalbiker zu grob. 

Jetzt hocke ich noch vor Tagesanbruch auf meinem Hotelbett - nach einer verschwitzten Nacht mit verspannten Schultermuskeln aufgewacht. Ja, es hat etwas vom Motorradfahren. Ja, es ist ein schwerer Bock, den ich da über die grobschottrigen Hohlwege scheuche. Die 25 kg verlangen einfach mehr Körpereinsatz als die 15 kg. Ja, an der Ergonomie dieses Fullys wird sich bald vieles verbessern (Manu,der Entwicklungsingenieur von M1, bringt im Herbst 2018 eine neue Konstruktion raus). Vorbild dürfte das Levo von Specialized sein, denke ich. 

Mit diesen Gedanken starte ich nun in den zweiten Testtag am Gardasee. Die Auswahl an Bikekonzepten ist bei diesem erstmaligen Event noch dürftig. Nur ein paar Fullys von Cannondale, Scott und eben M1. Ansonsten viele für diese Region mit ihren ruppigen Trails unbrauchbare Hardtails, auch von TQ, dem genialen Motorlieferanten. 

Spitzing, so nennen die M1-Leute ja ihr derzeitiges Topmodell. Vielleicht waren die langweiligen Forststraßen in den bayerischen Bergen ja das Testrevier. 
Für die nächste Bikeevolution in 2018 wünsche ich mir ein Produkt mit dem Namen Adrenalina. Mit dem Adrenalina erreicht M1 die Handlingsqualität der Weltspitze. Einfach die modernen Konstruktionsmerkmale der Enduroklassse: 160mm Federweg auf 27,5 Plus Felgen mit 3.0 breiten Gummis. Dazu feinfühlig absorbierende Kinetik und Federelemente. Das wärs! Softpower wünsche ich mir, die Kombination von extrem komfortabler Federung (ebnet jedes verblockte Geläuf) mit dem 500 Watt Motor und mindestens 1.250 Wh Batteriekapazität. 

Denn das mit der Batterie ist noch immer der Knackpunkt. Was sind wir herumgestanden im Gelände und haben die Nachkömmlinge ängstlich gefragt, ob sie noch mindestens zwei Striche haben. Nee, da hat einer nur noch einen. Mit fünf sind wir 800 Hm unterhalb gestartet. So geht es natürlich nicht. 

Bei meinen 70 kg Körpergewicht (lassen wir das Thema Muskeleinsatz mal beiseite) mussten vier Batteriestriche dran glauben für eine Tour von 45 km Länge mit 1550 Hm. Danach konnte ich nochmals 150 Hm zur Burg raufbrettern und 12 km nach Torbole zurückfahren. Damit war die 865 Wh-Batterie endgültig leer.
Unsere Muskeltouren gehen aber 80 km lang und 2500 Hm hoch. Und am Etappenort brauchen wir keine Ladestation, wer sollte sie auch dorthin zaubern!?

Zweiter Tag, neue Runde, alles wird besser

Wie soll ich beginnen, meine neue Begeisterung zu erläutern? Fangen wir bei den Personen an, bevor wir einen Blick auf die Trails und auf die Bikes werfen. Es macht richtig Spaß, hinter Uli Stanciu durch die Steinwüsten im oberen Sarcatal nördlich des Gardasees zu surfen. Er macht eine gute Geschwindigkeit und unterbricht nur an Abzweigungen, um die doch große Gruppe der „Schnellen“ zusammenzuhalten. Er unterhält mit kleinen Stories zu den kulinarischen und kulturellen Besonderheiten (sonst wüßte ich nicht, wo die Adeligen der KuK- Monarchie sich jeden September zur Sommerfrische begeben hatten). Er zeigt uns in diesen Steinhaufen wunderbar flowige Trailstrecken, wie sie nur Locals kennen können. Richtig toll! Und er ist ein Besessener, ein Charismatiker, ein Lebendiger.
Tja, die Bikes. Es gibt sie also doch, jene E-Bikes, die sich wie Fahrräder verhalten, die keine elektrifizierten Motorräder sind, Man verwendet in der Gruppe dafür auch ein eigenes Wort, um die ganz besondere Charakteristik zu benennen. Man nennt sie „Fahrräder“. Grazile Rahmen, Motoren mit nur 63 Nm und Unterstützung bis 25 km/h. Pedelecs, aber ohne „S“.
Am zweiten Tag konnte ich für kurze Zeit solche Bikes fahren. Das „Zell“ von M1 und das „E-Spark“ von Scott. 
Leichtfüßig, wendig, mit wenig Kraft beherrschbar. Und dann geht auch, wie irre loszubrettern. Einfach links in die verwilderte Bergflanke abstechen und einen verknüppelten Singletrail steil hoch steuern. Einfach auf den Pedalen bleiben und erleben, wie ungeahnte Antriebskräfte Bike und Biker sicher durch den holprigen Anstieg schieben. Einfach toll!

Und heute am dritten Tag werde ich gaaaanz früh vor der Ausgabe stehen und versuchen, eines der nur zwei Scott Spark Fullys zu erhalten. Damit der Spaß zu einem Dauergrinsen gerinnt. 

Tag 3

Dieser Tag hat es gebracht. 
1) Scott-Fully E-MTB
2) Trails von Uli Stanciu
3) Gespräche mit Uli Stanciu und seiner Frau
4) Familiäres Abschlussessen mit Gardatrentino, Ley Event, Uli Stanciu und weiteren sehr angenehmen Personen

Ich freue mich auf ein Wiedersehen und die zweite Ausgabe des Garda E-BIKE Testivals in 2018!

Und wie geht es weiter?

 

Diese Kombination hat mich so sehr fasziniert, daß Ihr in diesem Blogartikel noch eine Fortsetzung erhaltet.

Am 14.10.17 bin ich wieder in Torbole, wieder mit Uli, wieder mit einem E-"Fahrrad". 

Sechs volle Tage auf beiden Seiten des Sees die schönsten Trails erleben, und das in kleiner Gruppe, geguidet von Uli Stanciu.

Vorab stelle ich Euch hier mein Leihbike vom Hotel SantaLucia Torbole vor. 

Diese Daten lassen darauf hoffen, dass das Rotwild an die positiven Eigenschaften meines M-Bikes Spezialized 6-Fattie heranreicht:

  • 21 kg
  • 2.4" Reifen (breitere Pneus will der Hotelier nicht aufziehen, wären aber machbar)
  • 140 mm Federweg
  • Brose Motor mit 250 Watt und 90 Nm
  • Akku-Kapazität 518 Wh
  • agiles Handling, natürliches Fahrgefühl

Fortsetzung folgt... ab 14.10.



Kommentar schreiben

Kommentare: 0